Über alles und nichts

Es war einmal … ein verflixter Gedanke, klebrig wie eine Fliegenfalle. Er taucht auf aus dem Nichts, folgt uns wie ein Schatten und zieht uns von Zeit zu Zeit herunter, ganz ungeniert. Es ist ein universeller Gedanke, jeder kennt ihn. Was wir auch tun, erringen und erreichen, die größten Auszeichnungen, Ehrungen, Lob und Anerkennung, ja Amt und Würden, die uns zieren – das alles ist nichts für diesen einen Gedanken, „Ich bin nichts!“.

Sieht so aus, als könnten wir es uns einfach nie recht machen oder wie? Mitnichten, denn „Ich bin nichts“ ist tatsächlich ein guter, ja sogar ein heilsamer und eindeutig ein weiser Gedanke.


Nur ein Rädchen im Getriebe

Zugegeben, auf die gesamte Menschheit bezogen sind wir nichts. Ein einzelnes Licht in Myriaden von Lichtern, ein Rädchen im Getriebe des Universums. Doch wer je eine Uhr zerlegte und versuchte, sie wieder zusammenzusetzen, stellte mit Sicherheit fest, dass dieses eine übriggebliebene Schräubchen das ganze Uhrwerk zum Stillstand brachte. Falls er die Uhr überhaupt wieder in Gang brachte, musste er erkennen, dass sie nicht mehr richtig funktionierte.
Wir kennen das alle, auch in unserem Alltag reicht meist ein kleines Detail, das unser Lebensgetriebe zum Stottern bringt, eine Nichtigkeit bei genauer Betrachtung: Die Ampeln stehen heute alle auf Rot, die Kassiererin ist unfreundlich, aus der Chefetage hagelt es Kritik ... Und schon ist der ganze Tag im Eimer, zumindest die Stimmung, und die Verdauung zieht nach. Oft reicht ein einziger Gedanken, um unsere Welt aus den Fugen zu bringen und uns auszubremsen. Erschreckend, nicht? Das Gute daran: Es bedarf umgekehrt ebenso nur eines einzigen Gedankens, eine grüne Welle auf der Straße, ein nettes Wort vom Nachbarn, um die Alltagsmaschine zu schmieren. Von wegen „nur“ ein Rädchen im Getriebe! Kleine Ursachen haben vielfach eine so große Wirkung, wie man sie ihnen niemals zugetraut hätten. Das bedeutet eben auch, dass die Welt nicht das wäre, was sie ist, ohne dich und mich. Kann sie gar nicht sein. Schon allein dadurch, dass wir gezeugt und geboren wurden, wirken wir auf andere und ihre Leben ein. Jeder von uns hat seine Funktion, auch wenn wir sie nicht kennen, jeder erfüllt seinen Sinn und Zweck im Großen und Ganzen. Was weiß ein Rädchen schon von der Maschine, in der es werkt und wirkt? Und dennoch macht es sie erst zu dem, was es ist. Dem Rädchen fehlt einfach der Blick fürs Gesamtbild. Das bringt uns auf


ein wichtiges Detail,

welches darüber entscheidet, ob wir im Fluss sind oder ob es stockt und bockt, mit entsprechenden Konsequenzen für Körper und Leben: Wer in seinem Leben herrschen will, wer SEIN Ding finden, machen und durchziehen will, ja wer seine Körperwundermaschine am Laufen halten will, muss dienen lernen. Wie uncool! Schon klar, das Dienen ist unbeliebt. Wir befinden uns bei diesem Thema astrologisch im 6. Haus, wo es nach Pflichten und einer Menge Arbeit riecht, nach Verzicht und keine Zeit für Spiel und Spaß. Das ist eine typisch menschliche, jedoch sehr kurzsichtige Ansicht. Wenn das Rädchen seinen Dienst verrichtet und die Maschine dadurch läuft wie geschmiert, ist es, als spielten wir ein Instrument in einem Orchester. Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten entsteht ein wundervoller Klang. Vielleicht spielen wir sogar die erste Geige – irgendwo, in irgendeinem Bereich tun wir das immer –, doch auch sie ist nur, was sie ist, solange sie mit dem Orchester spielt. Im Zusammenklang mit anderen Instrumenten entfaltet sie ihr ganzes Können. Kann sie es nicht mit dem Orchester, spielt sie auch nicht wirklich die erste Geige. Ist es nicht im Körper dasselbe? Die einzelne Zelle ist nichts, doch wehe, sie tanzt aus der Reihe. Da erfahren wir auf sehr unangenehme Weise, was so ein winziges Rädchen alles bedeutet. Der fehlende Zusammenklang mit dem ganzen Organismus zerstört auch die Harmonie in unserem persönlichen Universum, wetten? Also dient auch jede Zelle, isoliert betrachtet ein Nichts, einem größeren Ganzen und als Teil des Orchesters/Universums ist sie alles.


Wenn alles nichts ist

Sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, ist wichtig. Deshalb verfolgt uns der Gedanke so hartnäckig. „Ich bin nichts“ ist eine Art Schlüssel. Wir verlagern dadurch unser Bewusstsein auf eine andere Ebene, weg vom reinen Ego, das sich für den Nabel der Welt hält, und schwups, wir lernen uns als unverzichtbaren Teil eines größeren Ganzen kennen und fügen uns darin ein, ohne Wenn und Aber, widerstandslos. Dadurch kann die „Maschine“ genesen, die Uhr tickt endlich wieder richtig. Und siehe da, jetzt erkennen wir auch unseren Sinn und Zweck, der niemals isoliert sein kann vom größeren Ganzen. Das ist astrologisch betrachtet die Vorbereitung aufs 10. Haus, wo wir in unserer Entwicklung das rein persönliche Leben hinter uns lassen und definitiv und ganz bewusst unseren Dienst am größeren Ganzen übernehmen – wenn die Zeit gekommen ist und wir bereit und reif dazu sind. Ab da leben wir nicht mehr nur für uns und das eigene Vergnügen. Was immer wir tun, dient allen und allem, in irgendeiner Form. Das war theoretisch schon immer so, nur war uns das eben einfach noch nicht bewusst und der Widerstand oft groß, bockig, wie wir nun mal sind. Wir glaubten, ein Solo spielen zu müssen, um es im Leben zu etwas zu bringen. Man könnte also zusammenfassen:

Es war einmal „nur“ so ein Gedanke, der so lange hartnäckig an die Türe unseres Bewusstseins klopfte, bis wir ihm die Türe öffneten. Da entdeckten wir das Orchester des Lebens und welches Instrument wir darin spielen. Dort fügen wir uns noch so gern ein und schwingen freudvoll mit. Welches Instrument wir spielen wollen, liegt nach wie vor bei uns. Wir haben die Wahl. Wir sind und waren schon immer ein Rädchen im Getriebe eines unendlich großen Systems, jedes einzelne mit Sinn, Zweck und ureigener Funktion. So erübrigt sich das „Nur“. Im Nichts, für das wir uns hielten, ist alles, und ohne alles, gibt es nichts.

©tina peel 

für Allgeiers Sternbild Magazin, Rubrik Astrologie & Philosophie

 














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