Wonnemonat Mai? ~ Was wir alle vom Stier lernen können

Im Mai im Mai im Maaaii, hätt' ich am lihiebsten freiiii … sangen wir als Kinder. Singe ich immer noch. Hätte ich immer noch gern. Schon nur an den Mai und die venusischen Düfte und saftigen Farben, das leuchtende Grün, zu denken, löst wohlige Schauer aus. Die Haut, befreit von den Winterkleidern aufatmend, fühlt sich zärtlich gekost von der lauen Luft. Amsel- und andere Vogelbalz- und Freudengesänge, die durchs offene Schlafzimmerfenster bis in die Träume schalmeien, bringen die Seele zum Schwingen – wahrlich eine Wonne. Wonnemonat Mai eben.

Tja, blicken wir zurück auf Mai 2017, dann war da wenig Wonnigliches dran. Die Eisheiligen kamen zu früh, blieben zu lange und brachten keine Eislutscher, sondern Dauerfrost. Die Obstbäume warfen den Hut, respektive ihre Blüten ab, Bienchen und Blümchen kehrten zurück in den Winterschlafmodus. Der Mai und sein Aprilwetter eben, das war nicht wonniglich, aber ist eben auch möglich und kommt immer wieder vor.



Mutter Natur macht ihr Ding

Und was geschah dann, hat Mutter Natur etwa das Handtuch geworfen, alles stehen und liegenlassen und sich verschnupft vom Acker gemacht? Blieb sie einfach stehen und bemitleidete sich, weil ihre Geschenke und Gaben von Petrus nicht wertgeschätzt und missachtet wurden? Wurde sie gar schwermütig? Sie hätte durchaus allen Grund dazu gehabt, hat sie aber nicht, denn sie findet immer einen Weg, um sich in in irgendeiner Form zu manifestieren. Erfrieren die Blüten, schiebt die Pflanze ihre ganze Kraft in Blätter und Zweige. Man könnte fast meinen, die Pflanze wäre froh darüber, sich nicht auch noch um Blüten und Früchte kümmern zu müssen, so sehr schießt sie dann ins Kraut. Mutter Natur macht ihr Ding, koste es, was es wolle. Gut für uns! Und ebenfalls gut für uns, dass diese Beharrlichkeit, die der Stier symbolisiert, auch in uns zu finden ist, obwohl wir sie in unserer Ungeduld nicht immer zu schätzen wissen. Für uns kann ja alles nie schnell genug gehen. Das sollten wir aber, denn ohne den Stier und seine Beharrlichkeit würden wir nichts gebacken kriegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Brot backen ist aufwendig und braucht Zeit. Auch aufs Korn müssen wir warten, es wächst über Monate und es geht nicht schneller, wenn man daran zupft, wie jeder weiß. Danach wird es ausgiebig in der Mühle gemahlen, was ebenfalls seine Zeit braucht, auch wenn das heutzutage maschinell geschieht und vielleicht etwas schneller als früher, wo Wasser- oder Windkraft den Mühlstein bewegte, nicht immer ganz zuverlässig und verlässlich. War beides nicht vorhanden, spannte man Ochsen (was sonst? Esel waren zu störrisch) ein – auch heute noch, in bestimmten Ländern –, die sich stoisch stundenlang im Kreis drehten. Jedenfalls ist es diese Beharrlichkeit, die auch Mutter Natur zeigt, die Nägel mit Köpfen und aus Samen Brot macht und überhaupt alles wachsen lässt, zur Entfaltung und zur Reife bringt. Der Widder in uns blökt zwar andauernd: „Wann sind wir da? Wann ist es soweit? Wann ist es fertig? Wann wann wann …?“. Der Stier antwortet gelassen: „Immer mit der Ruhe, alles zu seiner Zeit. Gut Ding will Weile haben …“. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein und nervig, wenn wieder mal alles nicht so zu laufen scheint, wie wir es gern hätten. Und wir stehen dann wie der Ochs vor dem Berg und wissen nicht, wie wir ihn erklimmen sollen. Na wie wohl? Der Stier in uns weiß es und Mutter Natur lebt es vor:


Halten, erhalten und behalten

Ursprünglich hieß der Mai „Winnimanod“, ein altdeutscher Ausdruck, der Weidemonat bedeutet und prima passt. Dass die Tiere endlich wieder auf die Weide können, ist für sie bestimmt wonniglich, keine Frage. Ob es nun schon heiß ist wie im Sommer oder auch mal zwischendurch wieder friert und schneit, sie nehmen es gelassen, fressen, was die Weide hergibt, ohne groß zu muhen. Das würde ja auch nichts bringen und nur unnötig Energie fressen. Es geht dabei weniger um Anpassungsfähigkeit, das ist kein Talent des Stiers. Legendär ist vielmehr seine Hartnäckigkeit. So ein Stiernacken ist ja auch ziemlich breit und trägt ein Joch mit Leichtigkeit, auch wenn er sicher nicht darauf steht, überhaupt eines zu tragen. Da wird dann schon mal gemuht und gemeckert. Er hält einiges aus und oft lange durch, auch unter widrigsten Umständen. Das muss man ihm lassen, darin ist er gut. Es geht also ums Aushalten, Ausharren, sich nicht unterkriegen zu lassen. Andere Wege und Möglichkeiten wollen gefunden werden und wir sollen dranbleiben, bis wir es gebacken kriege, was auch immer. Die Kühe auf der Weide zeigen Gelassenheit den Umständen gegenüber und betrachten trotzdem alles mit sanftem und liebevollen Blick. Sie lieben das Leben und genießen den Moment, und würden sie das nicht, würde das auch nichts ändern. Die Umstände sind halt manchmal ideal, manchmal nicht. Also, warum die Dinge des Lebens nicht einfach nehmen wie sie sind und das Beste daraus machen? Kämpft man nicht dagegen an, spart man Kraft für Wesentlicheres, auf das man Einfluss hat, so wie die Pflanze, deren Blüten abgefroren sind und die stattdessen beim Wachstum zulegt.

So stoisch, stur und gelassen der Stier-Teil in uns auch ist, was er liebt, das will er behalten – das Leben, sein Haus, seine Lieben, den Status quo … –, da hängt er dran, das lässt er nicht mehr los. Nähert man sich einem Kälbchen auf der Weide, wird die sonst so sanfte Kuh zur Furie. Sie verteidigt es um jeden Preis. Und manchmal ...


Die Sache mit dem toten Gaul

… ist der Stier in uns so beharrlich, dass er sich immer noch im Kreis dreht, obwohl das Korn längst alle ist, fein gemahlen, in Säcken verpackt und verkauft. Man steigt auch dann nicht vom Gaul, wenn er am Boden liegt. Er hat sich so daran gewöhnt, etwas immer wieder zu wiederholen, dass es schwer ist, davon abzulassen. Einerseits ist das verständlich, so ein Stier hat sehr viel Masse und ist sie mal in Schwung, ist es schwer, sie zu bremsen. Da überlegt man es sich zweimal, ob man in Rage kommen soll, ob sich der Aufwand lohnt, denn ist der Stier erst losgelassen, gibt es kein Halten mehr. Dann könnte einiges in die Brüche gehen und das Aufräumen danach bedeutet noch mehr Arbeit. Puh!

Und ja, natürlich, manchmal ist es auch pure Bequemlichkeit, den alten Trott beizubehalten. Der Stier ist DAS Gewohnheitstier schlechthin, weil der immer gleiche Trott ein gewisses Maß an Sicherheit verspricht, egal wie langweilig und mühsam er sich gestaltet. Darauf steht der Stier in uns. Er ist eben auch unser Sicherheitschef, der alles auf Erhalt, Statik, Untergrund überprüft, mit beiden Beinen fest im Leben steht, auch wenn der Boden unter seinen Füßen manchmal wackelt, worauf er gar nicht steht. Gut für den, der in den Knien federn kann. Das ist aber bestimmt nicht der Stier und nicht sein Zuständigkeitsgebiet. Aber macht ja nichts, auf ihn können wir bauen, auf ihn ist Verlass. Er hält durch und macht sein Ding wie Mutter Natur, was es auch kostet, kraftvoll, beharrlich und stur wie ein Panzer.

Auch die Sonne gewinnt eindeutig an (Stier-)Kraft und der Frühling nimmt ebenso stur Fahrt auf. Und manchmal, ja, manchmal ist es eben doch pure Wonne unter der Maisonne.

 Fürs Sternbild-Magazin: Den Stier auf den Punkt gebracht
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